• Der flüchtige Ex-COO von Wirecard, Jan Marsalek, ist vermutlich in Russland untergetaucht.
  • Ihm werden Bilanzfälschung, Marktmanipulation und Untreue vorgeworfen.
  • Marsalek nutzte laut Berichten seine Kontakte zum russischen Militärgeheimdienst für die Flucht.

Nach der Wirecard-Pleite und der vermuteten Veruntreuung von Firmengeldern läuft weiterhin die Fahndung nach den flüchtigen Vorstandsvize Jan Marsalek.

Laut den aktuellsten Kenntnisstand ist Marsalek derzeit in Moskau untergetaucht. Quellen des Handelsblatts zufolge, welche aus den Kreisen von Unternehmern, Juristen und Diplomaten stammen, soll der ehemalige Wirecard-COO unter der Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes GRU stehen.

Jan Marsalek: Ein Mann, ein Mysterium

Noch vor zwei Tagen berichtete der Spiegel über Marsaleks Flucht nach Weißrussland. Am Tag seiner Entlassung am 18. Juni bestieg er ein Flugzeug in Richtung Tallinn, von wo aus er nach Minsk weiterreiste. Er verschwand damit, vorerst spurlos, von der Bildfläche. Aufgrund der angespannten Lage zwischen Weißrussland und Russland soll ihn die GRU von dort aus nach Moskau gebracht haben.

Dass sich Marsalek in der Obhut des russischen Militärnachrichtendienstes befindet, passt zu seiner Personalie. Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer war der COO besessen von Geheimdiensten. So streute er – womöglich bewusst falsche – Informationen über den Mord an dem russischen Überläufer Sergei Wiktorowitsch Skripal. Als Drahtzieher hinter diesem Giftanschlag wird die GRU vermutet.

Neben seinen Kontakten zur GRU soll Marsalek auch geheime Informationen vom damaligen FPÖ-Sicherheitssprecher Johann Gudenus erhalten haben. Es ist bekannt, dass er für seine Reisen mehrere gefälschte Pässe benutzte. Einen davon verwendete er für seine Flucht nach Weißrussland.

Wo sind die 1,9 Milliarden?

Marsalek gilt als eine der Schlüsselfiguren um den kürzlich aufgedeckten Skandal bei Wirecard. Bereits im März 2019 fielen der Financial Times verdächtige Transaktionen in Singapur in Höhe von rund zwei Mio. EUR auf, von denen Marsalek gewusst haben soll. Nach einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young liegt bei dem Fintech-Unternehmen jedoch weit mehr im Argen. Demnach fehlen in der Jahresbilanz 2019 1,9 Mrd. EUR fehlen.

Marsalek wird wegen dem Vorwurf der Bilanzfälschung, sowie Vorwürfen zu Marktmanipulation und Untreue mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Für den ehemaligen Konzernvize dürften sich seine Machenschaften zumindest vorläufig ausgezahlt haben. Wie das Handelsblatt soll er im Vorfeld seiner Flucht erhebliche Summen an Bitcoin von Dubai aus nach Russland verschickt haben.

Nach der Insolvenz von Wirecard gab es auch einige Konsequenzen für Krypto-Unternehmen. So musste beispielsweise Crypto.com, einer der führenden Anbieter von Krypto-Debitkarten, die Ausgabe neuer Karten an europäische Kunden vorläufig einstellen.

Tobias W. Kaiser Autor

Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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