China verkündet ein offizielles Pilotprogramm in 4 Städten für eine landeseigene Kryptowährung. Ein noch größerer Test eines digitalen Yuan könnte dann bei der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking stattfinden.

Bereits am 26. März 2020 berichteten wir über den Fortschritt Chinas in Sachen landeseigener Kryptowährung. Gleichzeitig verbreiteten chinesische Medien, dass die chinesische Nationalbank, People’s Bank of China (PBC), die “grundlegende Funktionalität der Kryptowährung” abgeschlossen hätte. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen fehlten allerdings noch. Dafür notwendige Prozesse scheinen gut voranzuschreiten, denn China startet jetzt ein Pilotprogramm für den digitalen Yuan, wie u.a. Bloomberg berichtet.

China sieht Bitcoin und andere Altcoins als Gefahr

Die Chinesen sind digitale Zahlungsmethoden gewohnt. Nirgends auf der Welt ist es leichter mit einer Smartphone-App zu bezahlen. Und nirgends auf der Welt nutzen die Menschen mehr digitale Zahlungsmethoden als in Fernost.

Eine landesweite Veröffentlichung eines Yuan als Kryptowährung wird also höchstwahrscheinlich genutzt werden. Und genau darauf setzt die Regierung unter Leitung von Präsident Xi Jinping in Peking auch. Denn unabhängige Kryptowährungen wie z.B. der Bitcoin oder auch Ether, stellen für die chinesische Regierung eine Gefahr dar. Peking will mit aller Macht verhindern, dass weite Teile der wirtschaftlichen Aktivitäten außerhalb der Kontrolle der Gesetzgeber stattfinden.

Quelle: https://cbeci.org/mining_map

Um dies zu verhindern, arbeitete China schon seit 2014 an der Entwicklung einer landeseigenen Kryptowährung. Unterdessen wurde der Bitcoin stark genutzt, vor allem im Bereich des Mining. Immerhin finden 65 Prozent des weltweiten Bitcoin-Mining in China statt, zumeist durch riesige Konzerne. Wenngleich China also gute Geschäfte mit dem Bitcoin macht, würde eine digitale Version des Yuan ungeahnte Kontrollmöglichkeiten eröffnen. Zeitgleich könnte diese Kryptowährung den wirtschaftlichen Einfluss Chinas in der Welt noch vergrößern.

Der digitale Yuan hat den US-Dollar im Visier

Wichtiger als die Kontrolle des eigenen Volkes scheint China bei einer digitalen Version des Yuan in der Tat der weltweite Einfluss zu sein. Wenngleich eine landesweiter Einsatz einer solchen Währung noch Jahre entfernt scheint, so bereitet diese Kryptowährung den Verantwortlichen in den USA bereits Kopfschmerzen. Aditi Kumar und Eric Rosenbach von der Harvard Kennedy School argumentieren beispielsweise, dass eine digitale, chinesische Währung zur Umgehung von US-Sanktionen führen könnte. Denn Geldbewegungen einer digitalen Währung würden nicht, wie bisher, zunächst über Dollar-basierende, internationale Zahlungswege gehen müssen.

Ganz nebenbei verschafft ein digitaler Yuan, der übrigens nichts anderes als ein digitales Abbild der tatsächlichen Fiatwährung Chinas ist, vielen Menschen in China Zugang zu Zahlungssystemen. Bis zu 225 Millionen Chinesen haben nämlich keinen Zugang zu Banksystemen und besitzen kein Bankkonto. Digitale Wallets können schnell verbreitet werden und die chinesische Nationalbank hätte plötzlich freie Sicht auf die Zahlungen in den ländlichen Gegenden in Fernost. Ob das Volk dem neuen Geld vertrauen wird, ist aber noch fraglich und muss sich durch die Tests nun zeigen.

Thomas Schmied Social Media Manager & Writer

Thomas Schmied ist freier Autor, Journalist, Ghostwriter, Schreibcoach & Kommunikationsberater seit 15 Jahren. Kurz um: Thomas ist jemand, der mit Worten umgehen kann. Zeitgleich ist er aber auch begeistert von Daten, Zahlen und Programmcode. Diese Leidenschaften führten ihn von zahllosen (Fach-)Texten zu allgemeinen Wirtschaftsmeldungen. Schnell ging es von dort zu Finanznachrichten und der Börse. In die Börse verliebt gab sich Thomas dem Trading hin. Über die Begeisterung für das Programmieren und die Börse war der Weg in die Krypto-Szene nicht mehr weit. Heute verbindet er seine Vorlieben miteinander: Er tradet Krypto-Assets, er schreibt über Krypto-Themen und arbeitet nebenbei noch an Entwicklungsprojekten aus der Kryptobranche mit.

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