• Kryptowährungen haben im zweiten Quartal besser performt, als Aktien, Gold und Staatsanleihen.
  • Manche Investoren fürchten ein staatliches Verbot von Kryptowährungen, falls diese zu mächtig werden.
  • Derzeit zeichnet sich allerdings eher das Gegenteil ab.

Laut einem Bericht von Blockchain.com haben Kryptowährungen im zweiten Quartal besser performt, als Aktien und Gold. Im Juni gab es allerdings leichte Verluste.

Neben Analysen zur Marktsituation liefert der Bericht auch einen Kommentar dazu, ob Kryptowährungen für Regierungen irgendwann zu mächtig werden könnten. Obwohl einige Investoren befürchten, dass Regierungen Kryptowährungen in diesem Fall verbieten könnten, zeichnet sich dies zumindest derzeit nicht ab.

Performance-Analyse des zweiten Quartals

Blockchain.com hat Bitcoin und Ether mit Gold, dem S&P 500, US-Staatsanleihen und dem US-Dollar Index verglichen. Insgesamt haben die beiden größten Kryptowährungen im letzten Quartal deutlich besser performt, als alle anderen Assets. Nimmt man den Jahresbeginn als Referenzzeitpunkt, so steht Ethereum als deutlich größter Gewinner mit einem Zuwachs von 76,1 % dar. Über die letzten 12 Monate hinweg waren Gold und Staatsanleihen die besten Performer.

Performance der Assets-Klassen im Vergleich. Quelle: Blockchain.com.

Dies hängt sehr wahrscheinlich auch mit dem Marktzusammenbruch im März zusammen. Im Zuge der COVID-19-Krise haben beinahe alle Assets an Wert verloren, allerdings konnten Kryptowährungen schnell zu ihrem Ausgangswert zurückkehren.

Im letzten Monat haben die Kryptowährungen wieder etwas an Wert verloren, allerdings ist auch die Volatilität von Bitcoin deutlich gesunken. Laut Blockchain.com gingen solche Seitwärtsbewegungen in der Vergangenheit oft starken Preisanstiegen voraus.

Das Endspiel für Kryptowährungen

Der Bericht setzt sich auch mit den Befürchtungen einiger Investoren auseinander, dass Kryptowährungen verboten werden könnten, sollten sie sich als brauchbare Alternativen zu staatlichen Fiatwährungen erweisen. Diese Auffassung vertritt zumindest der bekannte Autor und Investor Jim Rogers.

Oberflächlich betrachtet könnte man diese Ängste durchaus teilen. Sollte es zu einer massenhaften Adoption von Kryptowährungen kommen, so stellen diese durchaus eine Gefahr für Fiat-Geldsysteme und Zentralbanken dar. Eine tatsächliche Umsetzung eines Krypto-Verbots dürfte Regierungen allerdings vor eine unlösbare Aufgabe stellen. Denn Bitcoin ist entwickelt um Zensur zu trotzen.

Obwohl autoritäre Regierungen wie beispielsweise China Anstrengungen unternehmen, den Zugang zu Technologien wie das Internet einzuschränken, werden diese Anstrengungen durch Kryptographie und Anonymisierungsdienste unterwandert. Letzten Endes könnten Regierungen den Zugang zu Kryptowährungen, zum Beispiel über ein Verbot von Handelsplattformen, einschränken, ihre Verwendung allerdings nicht effektiv verhindern.

Erst kürzlich dachte beispielsweise die russische Zentralbank über ein Verbot von Kryptowährungen nach. Diese Pläne wurden allerdings sowohl von dem Wirtschafts- als auch dem Justizministerium wieder verworfen. Bestenfalls wäre ein solches Verbot leicht zu umgehen und würde damit einen Schwarzmarkt schaffen.

Weiterhin ist unklar, welches Ausmaß ein Krypto-Verbot annehmen müsste, um effektiv zu sein. Dies müsste auf ein Totalverbot von öffentlichen Blockchains hinauslaufen. Damit würden die Länder auch auf wichtige Innovationen im Technologie- und Bankensektor verzichten.

Regulierung wahrscheinlicher als Verbote

Auch Blockchain.com sieht ein umfassendes Verbot von Kryptowährungen als unwahrscheinliches Szenario. Schließlich könnte dies nur durch Handeln aller wichtigen Nationen umgesetzt werden. Derzeit verläuft die Entwicklung eher in die entgegengesetzt Richtung, da die meisten Regierungen weltweit versuchen, Kryptowährungen und Blockchain-Technologie mit existierenden Regulierungen kompatibel zu machen.

Die Regierungen scheinen sich der geänderten Situation eher anzupassen, als sich ihr in den Weg zu stellen. Dies wirkt sich für die entsprechenden Länder deutlich positiv aus. Dort, wo frühzeitig Krypto-freundliche Regulierungen umgesetzt worden, bilden sich völlig neue Technologiezentren, wie beispielsweise im Schweizer Kanton Zug.

Auch im Bereich von nationalen Währungen zeichnet sich eine solche Anpassung ab. Die meisten Zentralbanken der Welt arbeiten derzeit an der Erforschung und Umsetzung einer eigenen Digitalwährung. Erst kürzlich gab es darüber im US-Senat eine Debatte, wobei Vertreter beider Parteien die Einführung eines digitalen US-Dollars unterstüzten.

Laut Blockchain.com werden digitale Zentralbankwährungen Kryptowährungen allerdings nicht ablösen können, da ihnen wichtige Features von dezentralen Währungen fehlen. Dazu gehören die einprogrammierte Seltenheit, ihre dezentrale und ausfallsichere Architektur, Zensurrestistenz und Privatsphäre, sowie ihre Programmierbarkeit.

Ein sehr viel wahrscheinlicheres Szenario für das Endspiel von Kryptowährungen stellte der Ethereum-Mitgründer Joseph Lubin auf. Seiner Vorhersage nach werden Kryptowährungen auch in der Zukunft nicht für alltägliche Zahlungen verwendet. Sie werden jedoch weiterhin als Wertspeicher, sowie als Alternative zu Zentralbankwährungen gebraucht.

Sollte es zu einer Massenadoption von Kryptowährungen kommen, dürften digitale Zentralbankwährungen daher weiterhin das Mittel der Wahl für alltägliche Zahlungen sein. Das würde die Zentralbanken allerdings auch dazu zwingen, eine attraktive, nicht-inflationäre Währung zu schaffen. Andernfalls würden sich die Bürger vollständig einer dezentralen Währung zuwenden.

Tobias W. Kaiser Autor

Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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